Kurzbeschreibung

Das PPTZ (Pädagogisch-Psychologische Therapie-Zentrum) wurde 1974 gegründet und ist ein freier Träger der Jugendhilfe. Das PPTZ bietet ein regionales und überregionales Hilfesystem zur Erziehung für Kinder, Jugendliche und junge Volljährige an.
Das PPTZ ist Mitglied im Landesverband privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe in Niedersachsen e. V. (VPK e.V. )

40 Jahre PPTZ e. V.

Anfang der 70er Jahre nahm der Diplom Psychologe Dr. Peter I. verhaltensauffällige Kinder als Pflegekinder auf und vereinbarte mit der Stadt Braunschweig vertraglich einen Tagespflegesatz für die Erziehung, Versorgung und therapeutische Betreuung dieser Kinder.

Grundlage hierfür war die Erkenntnis, dass Kinder mit ausgeprägten umgebungsbedingten Verhaltensauffälligkeiten dann am besten aufwachsen und therapeutisch beeinflusst werden können, wenn sie in eine stabile familiäre Umgebung eingebunden sind. Ausgehend von dieser Prämisse und auf Grund der gewonnenen Erfahrungen reifte in Ihm die Idee, seinen Ansatz auf eine breitere Basis zu stellen und weitere, hierfür geeignete Familien zu finden.

Damit die geplante intensive Betreuung der Familien organisiert und finanziell abgesichert werden konnte, musste eine Struktur gefunden werden, für die sich die Gründung eines Vereins anbot.

Am 30.09.1974 wurde der PPTZ e.V vom Finanzamt Braunschweig Land als mildtätig anerkannt. Am 16.04.1975 erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister. Das Landesjugendamt bescheinigte dem PPTZ e.V am 07.04.1976 die Förderungswürdigkeit nach § 9 Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) als Träger der freien Jugendhilfe.

Schon im Jahr 1976 wurden die ersten zwei Erziehungsstellen, d.h. Familien, die sich der Erziehung von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen widmen wollten, installiert und 3 Kinder in den Familien aufgenommen. 1977 gab es zwei weitere Erziehungsstellen mit je einem Kind. 1978 konnten zwei Familien gewonnen werden, die 2 Kindern eine neue Heimat gaben. 1980 betrug die Zahl der Erziehungsstellen 6, in denen 10 Kinder betreut wurden.

Die Kampagne „Holt die Kinder aus den Heimen“, die durch Presse und Fernsehberichte über Missstände in Einrichtungen ausgelöst worden war, führte dazu, dass die Nachfrage nach Plätzen in qualifizierten Familien stark anstieg und der Nachfragedruck enorm wurde. Dadurch wurde es notwendig, die vorhandenen Qualitätsstandards zu präzisieren und Regeln aufzustellen, nach denen die Erziehungsstellen ausgewählt und nach eingehender Prüfung und Vorbereitung belegt wurden. Zu den Voraussetzungen einer Erziehungsstelle gehört es, dass mindestens einer der Partner eine sozialpädagogische, pädagogische oder psychologische Ausbildung abgeschlossen hat und auch die sonstigen Gegebenheiten eine Erziehung der Kinder zu selbstbestimmten Persönlichkeiten möglich machen. Neben der fachlichen Betreuung der Erziehungsstellen durch das PPTZ wurde von Anfang an eine begleitende Fortbildung für die Erziehungsstelleneltern organisiert.

Inzwischen wurden von den Jugendämtern beim PPTZ e.V zunehmend ältere und auffälligere Kinder und Jugendliche für die Betreuung angefragt.

Darunter waren immer häufiger Jugendliche, denen es (noch) nicht möglich war, sich auf enge (u.a. familiäre) Bindungen einzulassen. Dies traf auch auf einige der in den Erziehungsstellen untergebrachten Kinder, die inzwischen zu Jugendlichen herangewachsen waren, zu. Um gerade hier Abhilfe zu schaffen, wurde der Versuch unternommen, in Braunschweig geeignete Räumlichkeiten anzumieten, um eine Wohngruppe einzurichten. Im Stadtteil Kralenriede wurde ein Einfamilienhaus mit angrenzendem Laden angemietet. In dem Einfamilienhaus wurden 1980/81 zunächst drei Jugendliche aufgenommen und durch eine sozialpädagogische Fachkraft betreut. Sukzessive baute man den Ladenbereich aus und teilte ihn so, dass nach einjähriger Bauzeit eine Wohngruppe für 7 Jugendliche mit Einzelzimmern entstand. Die lange Bauzeit ergab sich aus der Tatsache, dass viele Arbeiten in Selbsthilfe durch die Vereinsmitglieder geleistet wurden.

Obwohl die Einrichtung nach den Vorstellungen des Vereins überwiegend für die aus den Erziehungsstellen heraus wachsenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen gedacht war, zeigte sich, dass der Bedarf der Jugendämter nach Unterbringungen aus dem Elternhaus heraus größer war als vermutet und die in den Erziehungsstellen lebenden Jugendlichen lieber in ihrer bisherigen Umgebung im Familienverbund bleiben wollten, sodass nur wenige von ihnen den Wechsel in die Jugendwohngruppe vollzogen. Der enge Bezug der Untergebrachten zu ihren Erziehungsstellen wird auch dadurch deutlich, dass viele von ihnen auch heute als Erwachsene und Verheiratete mit ihren „Pflegefamilien“ Kontakt halten und regelmäßige Besuche keine Seltenheit sind.

Die sich ausweitende Arbeit machte es nötig, dass der Verein pädagogisches und psychologisches Fachpersonal einstellen musste, um den gewachsenen Problemen der Untergebrachten möglichst im Vorfeld fachlich fundiert begegnen zu können, gleichfalls erforderte die Krisenintervention gezielte Hilfestellungen. Auch die Verwaltung des Vereins ließ sich ob seiner zahlenmäßig gestiegenen Erziehungsstellen und aufgrund der geänderten Rechtslage in der Jugendhilfe umfangreicher und aufwändiger werdenden Leistungsbeschreibungen mit der bisher praktizierten Ehrenamtlichkeit der Geschäftsführung nicht mehr bewältigen. Der bisherige Geschäftsführer ging in den Ruhestand und ein hauptamtlicher Geschäftsführer wurde 1999 in Teilzeit eingestellt.

Mitte der 90er Jahre wurden beim Verein immer häufiger ältere Kinder von den Jugendämtern zur Unterbringung angefragt. Diese Kinder und Jugendlichen hatten bereits Erfahrungen und Aufenthalte in einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik hinter sich. Eine Unterbringung in einer Familie war auf Grund ihres Verhaltens oder ihres Krankheitsbildes nicht angezeigt. Die Notwendigkeit, eine Unterbringungsmöglichkeit zu schaffen, in der auf die individuellen Bedürfnisse dieser Kinder und Jugendlichen eingegangen werden konnte, wurde vom Verein als Aufgabe gesehen. Der Vorstand entschloss sich deshalb, eine Kinder- und Jugendwohnwohngruppe für Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren einzurichten. Am 11.12.2000 konnte nach Abschluss der wichtigsten Umbaumaßnahmen und der Auswahl des für diese Kinder besonders qualifizierten und geeigneten Fachpersonals das erste Kind aufgenommen werden.

Dass PPTZ hat sich der Hilfe zur Erziehung für Kinder, Jugendliche und junge Volljährige verschrieben, ein weiterer wichtiger Aspekt ist, Kinder und Jugendliche in ihrer Lebenswelt abzuholen und Angebote vor Ort zu machen. Häufig fühlen sich die jungen Menschen mit ihren persönlichen Problemen und Ängsten allein gelassen und benachteiligt und lassen sich meist nicht durch die traditionelle Jugendarbeit (Vereine und Verbände) ansprechen. Das Jugendzentrum Drachenflug wurde 2005 vom PPTZ übernommen und sowohl konzeptionell als auch räumlich komplett überarbeitet.

2008 hat das PPTZ das Modellprojekt Nähwerkstatt ins Leben gerufen. Ein niedrigschwelliges Angebot mit dem Ziel der Integration über gemeinsame zwanglose Treffen zum Nähen, miteinander reden und Vermittlung zu anderen Beratungsstellen.

Der gewachsenen Nachfrage nach Bereitschaftsstellen im Landkreis-Wolfenbüttel wurde mit der Etablierung einer Bereitschaftsaußenstelle mit 3 Plätzen in Dettum begegnet, die im April 2011 eröffnete. Das Angebot dient dem Schutz der Kinder und Jugendlichen sowie der Abklärung des Hilfebedarfs. Im Juli 2012 wurde die Bereitschaftsaußenstelle in eine Inobhutnahme umgewandelt verbunden mit dem Umzug in eine neue Immobilie im Landkreis Wolfenbüttel. Die Inobhutnahme verfügt seit Mai 2016 über 7 Plätze.

Im Juni 2015 hat sich das Spektrum des PPTZ durch den Anschluss der Familienhebammen unter unsere Trägerschaft um die Frühen Hilfen erweitert. Weiterhin eröffneten Anfang 2016 eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sowie eine kleine Wohngruppe mit einem Systemisch – Traumapädagogischen Schwerpunkt.