Systemsprenger

Systemsprenger

Der von Beginn an mitreißende Film wurde am 10.09.2019 von der trägerübergreifenden AG Systemsprenger, der auch das PPTZ angehört, in Zusammenarbeit mit der Agentur JETZT & MORGEN GbR und Port au Prince Pictures im Kino des Universum in Braunschweig gezeigt. Die Regisseurin, Frau Fingscheidt, erklärte den Zuschauern vor Beginn des Films, wie sie auf die Idee zu dem Film kam und wie es Benni, sehr überzeugend gespielt von Helena Zengel, im richtigen Leben geht.

Im Anschluss an den Film fand eine Podiumsdiskussion mit der Co-Produzentin Frau Kolbmüller, Herrn Westphal vom Jugendamt Wolfenbüttel und Herrn Schubert von der AG Systemsprenger statt. Hier wurde, durch Fragen aus dem Publikum angeregt, darüber diskutiert, wie unsere Gesellschaft Kindern in derart schwierigen Lebenslagen angemessen helfen kann.   Ein weiteres Thema war die Präventionsarbeit in diesem Bereich. Die Antworten der Podiumsteilnehmer wurden durch die Eindrücke von Frau Kolbmüller bereichert, die aus ihrer Perspektive schilderte, wie Benni`s Verhalten auf Erwachsene wirkt und welche Erkenntnisse daraus für den Alltag eines jeden resultieren: Habt eure Kinder lieb und seit für sie da!

Dadurch, dass Benni, wie viele andere Kinder mit ähnlichen Verhaltensweisen, etwas einfordert, was sie nicht bekommen kann, ist auf Seiten des Jugendamtes und der freien Träger oft eine gewisse Ohnmacht zu spüren. Alle wollen helfen und doch gibt es nie die eine Lösung. In der Jugendhilfe müssen Lösungsmöglichkeiten entwickelt und anschließend ausprobiert werden. Wenn sie nicht greifen, beginnt der Prozess erneut. Oft verstärken Abbrüche von Jugendhilfemaßnahmen die Negativspirale, in der sich die Kinder befinden. Klar ist aber auch: die anderen Kinder der Gruppen müssen auch geschützt werden. Ein richtiges zu Hause kann eine Wohngruppe nicht ersetzen. Geborgenheit und Liebe zu spüren ist hier möglich, aber nicht mit der einer intakten Familie zu vergleichen.

Klar wurde außerdem: Alle Beteiligten hoffen, dass der Film auch eine politische Diskussion anregt; über Kinder mit besonderen Bedarfen, über Mitarbeiter*innen in der Jugendhilfe und die enorme psychische Belastung, die diese Arbeit mit sich bringt.  Die Gradwanderung zwischen Bindungs- und Beziehungsarbeit kombiniert mit der nötigen professionellen Distanz ist ein Drahtseilakt. Die Arbeit mit so genannten Systemsprengerkindern in vielen Bereichen ein Paradoxon.

Wir freuen uns über weitere Diskussionen zu diesem Thema und wünschen uns, dass möglichst viele Menschen diesen Film sehen. In der AG Systemsprenger werden regelmäßig neue und kreative Lösungen für einzelne Kinder und Jugendliche entwickelt. Die Jugendämter unterstützen hierbei. Es braucht dennoch bundesweit mehr Initiativen dieser Art und kreative Lösungsstrategien fern ab von Regelangeboten.

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